Reaktionen der Öffentlichkeit
Seit 1760 drohte die baierische Regierung den Haberern mit scharfen
Strafen, konnte die Treiben aber nicht verhindern und an einzelnen
nicht ahnden, weil die Haberer schon bei Aufnahme in den Bund
geschworen hatten, nichts zu gestehen. " Auch nicht der Tod
soll mich bewegen, diesen Schwur zu brechen." Allerdings
wurden die Gemeinden, auf deren Grund Treiben stattfanden, mit
hohen Geldstrafen belegt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts konnte
man noch von einem gewissen Wohlwollen der Regierung sprechen.
Von König Ludwig I. ist eine Randnotiz festgehalten, in der
"gegen die alte Sitte des Haberfeldtreibens nur dann eingeschritten
werden solle, wenn es im Interesse der öffentlichen Ordnung
absolut nötig ist". Noch 1841 zeigte das Innenministerium
bei einem Fall wiederholter sittlicher Verfehlungen eines Priesters
viel Verständnis für die Handlungsweise der Haberer
und riet dem König zu Strafnachlass. 1862 aber wurden den
Gemeinden fürs'Haberfeldtreiben drakonische Strafen angedroht,
Infanterie marschierte in andauerndem Patrouillendienst auf, in
besonders gefährdeten Orten wurden neue Gendarmerieposten
eingerichtet. König Max erkannte, dass die Häufigkeit
der Treiben entsprechend der Anzahl der errichteten Militärposten
zunahm und fürchtete für das Ansehen der Obrigkeit und
das Prestige im Ausland. Außerdem "könnte die
Organisation der Haberer als Muster und zur Aufmunterung revolutionärer
Gesellschaften dienen". 1865 wurden sogar beurlaubte Soldaten
einberufen, um bei Treiben eingreifen zu können. Zu Jahresende
aber gab die Regierung schlagartig die Präsenz des Militärs
auf und stellte die laufenden Untersuchungen ein. Man sah ein,
dass "das Haberfeldtreiben weiterhin eine beliebte Unterhaltung
des rohen Volkes bleiben würde", und man deshalb nicht
die
nötige Unterstützung bekommen werde. So standen auch
manche Ortspfarrer dem Haberfeldtreiben wohlwollend gegenüber,
engagierten sich höchstwahrscheinlich sogar als Versedichter.
Als aber 1864 die Regierung an die Erzdiözese herantrat,
sprach der Erzbischof 1866 den Kirchenbann gegen alle Anstifter
und Teilnehmer des Haberfeldtreibens.
Unrühmliches Ende
Im Oktober 1893 fand in Miesbach das letzte bedeutende Haberfeldtreiben
statt. Da die Anzahl der Teilnehmer sehr zugenommen hatte, fanden
sich nun auch einige unsichere Gesellen in den Reihen. Es kam
auch zu Schusswechseln und Brandstiftungen. Die darauffolgenden
Treiben wurden verraten, viele Teilnehmer gefasst und verurteilt,
kamen um Haus und Hof. Der Habererbund zerbrach. Nach 1904 "...ist
der Habererbund in den Untersberg zu seinem Kaiser Karl schlafen
gegangen".